Ludwig Pfau (1821-1894)

Flüchtlingssonette vom Jahr 1849

XVIII

Der Freiheit Werk, getrost! es muß gelingen;
Dem Strome gleicht es, der dem Berg entsprossen:
Wie klein und hilflos hat er sich ergossen!
Die Erde, meint man, sollte ihn verschlingen.

Doch wie er fließt, da kommen ihm mit Klingen
Viel junge Bruderquellen nachgeschossen;
Er wächst, im Arm die schwellenden Genossen,
Und stolz entfaltet er die feuchten Schwingen.

So der Gedanke: ist er erst verkündet,
Wälzt er sich fort im eigenen Gewichte,
Und tausend Kräfte sind ihm bald verbündet.

Er gräbt sein Bett und macht den Damm zunichte,
Es braust und strebt, bis er, ein Gott, sich mündet
Mit Jubelschall ins Meer der Weltgeschichte.

Ludwig Pfau, Gedichte. 4., durchges. u. verm. Aufl. Stuttgart 1889. S. 294
© 1997 by Günther Emig


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