Ludwig Pfau (1821-1894)

Gewitterluft. 1847

Ein schwerer Bann, wer kann es sich verschweigen?
Hält alles Leben jetzt in dumpfer Haft;
Es trauert selbst der Jugend frische Kraft,
Wie eine welke Blume mit den Zweigen.

Verstummt sind fast die Flöten und die Geigen,
Es hat die Schwüle jeden Hauch erschlafft;
Und wie des Lebens Räderwerk auch schafft,
Nur scheu noch tanzt die Luft den alten Reigen.

Der Geist des Volkes ist hinabgestiegen
In seine eignen Tiefen, sinnt und baut;
Drum liegt Gewitterluft auf allen Gründen.

Denn durch die Lüfte wird als Wetter fliegen,
Was jetzt noch in der Tiefe gärt und braut;
Und nicht nur donnern wird es, nein, auch zünden!

Ludwig Pfau, Gedichte. 4., durchges. u. verm. Aufl. Stuttgart 1889. S. 276
© 1997 by Günther Emig


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