Das Leben ist ein unerschöpfter Bronnen,
Ein Tor nur kann es schelten arm und nichtig;
Stets bleibt es reich und wird aufs neue wichtig,
So viel du auch geschöpft hast und gewonnen.
Hast du dir nur ein ernstes Ziel ersonnen
Und strebst mit Mut ihm zu, getreu und richtig,
Häuft sich dir Füll' auf Fülle tausendschichtig,
Stets neu entfacht im goldnen Strahl der Sonnen.
Im wahren Wirken ist die wahre Ruhe;
Sanft wirst du so von Stuf' zu Stufe schweben,
An deinen Füßen leichte Götterschuhe.
Das ew'ge Kleid des Geistes hilfst du weben;
Die Fäden bleiben, birgt auch dich die Truhe -
Und ewig wirst du in dem Ganzen leben.
Ludwig Pfau, Gedichte. 4., durchges. u. verm. Aufl. Stuttgart 1889. S. 265
© 1997 by Günther Emig