Ludwig Pfau (1821-1894)

Einst und Jetzt

Einst, wenn ich dir am Augen hing,
Mein Lieb! wie war es freudestrahlend;
In seinem niegetrübten Ring
Die Lust des jungen Lebens malend!

O Gott! und jetzt - schau ich hinein,
Ergründ' ich es mit innerm Beben;
Es bricht aus ihm der Wiederschein
Von einem schwerdurchkämpften Leben.

Wohl glänzt dein Auge wunderklar,
Doch flackert drin ein Tränenfeuer;
Das sonst der Welt so offen war,
Das flieht zurück jetzt menschenscheuer.

Ich trage dich am Busen lind,
Ob deinen Freuden will ich wachen -
Wird nicht dein Auge, wie ein Kind,
Ach! nur noch einmal wieder lachen?

Ludwig Pfau, Gedichte. 4., durchges. u. verm. Aufl. Stuttgart 1889. S. 27
© 1997 by Günther Emig


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