Hugo Faißt

Hugo Faißt (1862-1914)

© 1997 by Günther Emig


Hugo Faißt aus Heilbronn

Freund und Förderer von Hugo Wolf

Von Lothar Heinle

Der Heilbronner Hugo Faißt war der treueste Freund und Förderer des Komponisten Hugo Wolf im schwäbischen Raum.

Der Rechtsanwalt und Gründer des Stuttgarter Hugo-Wolf-Vereins, Hugo Faißt, wurde am 16. Oktober 1862 in der Direktionswohnung der Heilbronner Zuckerfabrik geboren. Sein Vater, Andreas Faißt, war Direktor der Zuckerfabrik, die Mutter Henriette stammte aus der Familie Cluß.

Hugo Faißt wuchs im elterlichen Haus in der Cäcilienstraße 66 auf und zeigte früh Interesse an der Musik. Anfangs lauschte er interessiert den Konzerten der Heilbronner Stadtkapelle im Aktiengarten, später erhielt er neben dem Musikunterricht am Heilbronner Gymnasium weitere Förderung durch den böhmischen Violinisten und Dirigenten Ernst Maschek, der von 1857 bis 1879 künstlerischer Leiter des Singkranzes war.

Nach Reifeprüfung und einjährigem Militärdienst in Straßburg begann Faißt 1881 ein Chemiestudium in Berlin, um in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, sattelte aber nach dem plötzlichen Tod des Bruders auf Jura in Tübingen um. Seine Referendarzeit verbrachte er 1892/93 in Heilbronn, Stuttgart, und Geislingen, wo er schließlich in Stuttgart eine Rechtsanwaltskanzlei eröffnete.

Während all dieser Zeit hat Faißt, der ein begabter Amateur-Bariton war, sich nie von der Musik losgesagt. Zum dem musikalischen Zirkel, der sich regelmäßig an Sonntagabenden im Hause Cluß traf, gehörte neben dem Komponisten August Halm, der den Heilbronner Oratorienverein leitete, auch der Pädagoge Edwin Mayser, der 1893 die Bestände des "Heilbonner Musikschatzes" erfaßte und dann auch katalogisierte.

Während der Tübinger Studienzeit erhielt Faißt Gesangsunterricht vom Universitätsmusikdirektor Karl Emil Kauffmann, der ihn für die damals noch kaum bekannten Lieder Hugo Wolfs begeisterte. Mit dem ersten enthusiastischen Brief Faißts an den Komponisten Wolf im Juli 1893 beginnt eine umfangreiche Korrespondenz und lebenslange Freundschaft.

Am 31. Oktober 1893 singt Faißt bei einem Wolf-Abend im Tübinger Museumssaal zehn Lieder. Im Januar 1894 kommt es zur ersten persönlichen Begegnung zwischen Hugo Faißt und Hugo Wolf in Mannheim. Einem Liederabend in Stuttgart mit Wolf am Klavier folgt im Februar 1894 Wolfs erster Besuch in Heilbronn. Auch im Mai 1896 macht Wolf wenige Tage vor der Uraufführung des „Corregidor" bei Mutter Henriette Faißt Station.

Mehrfach bedankt sich Wolf in seinen Briefen an Faißt für die freundliche Aufnahme in Heilbronn und ermuntert seinen Freund, weitere Liederabende in Heilbronn zu organisieren. Denn "wir sind es der Stadt um der wenige Gerechten, die darin hausen, schuldig, einen Liederabend zu veranstalten" (Wolf an Faißt am 13. Oktober 1894).

In Stuttgart, wo der Boden für Wolfs Werke fruchtbarer zu sein scheint, gründet Faißt im Jahr 1898 schließlich den Hugo-Wolf-Verein. Unterstützung in jeder Hinsicht tut Not, denn Wolf kann ab September 1897 nach Ausbruch einer schweren Geisteskrankheit nicht mehr komponieren.

Faißt sorgt nicht nur für die Verbreitung der Werke. Zusammen mit seiner Mutter unterstützt er auch den Sanatoriumsaufenthalt des Komponisten finanziell. Hugo Wolf stirbt am 22. Februar 1903.

Weitere Informationen über die Freundschaft zwischen Wolf und Faißt finden sich in dem Buch von Joachim Draheim und Susanne Hoy (Hrsg.): Hugo Wolf. Briefe an Hugo Faißt. Eine Veröffentlichung der Internationalen Hugo-Wolf-Akademie Stuttgart. Verlegt bei Hans Schneider, Tutzing 1996.


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