Sülmerstrasse 52
"Das Gebäude wurde 1796-97 von dem pfälzischen Baumeister Krutthofen im Empirestil erbaut. Durch Ladeneinbauten ist es heute [1917] sehr entstellt. Über dem Untergeschoss liegt ein Mezzanin, darüber zwei Vollgeschosse und ein Dachgeschoss. Das Haus ist ganz aus Stein und umschliesst mit drei Flügeln einen Lichthof. Die nach der Sülmerstrasse liegende Hauptfassade ist siebenachsig und hat in der Mitte ein im Bogen geschlossenes Einfahrtstor mit derb geschnitzter zweiflügeliger Türe. Das reich geschnitzte Oberlicht über der Türe bildet in Wirklichkeit ein Mezzaninfenster. Die Fassade ist bis zu dem in Höhe des Obergeschossfussbodens durchlaufenden Gurtgesims rustiziert. Die dreiachsige Mittelpartie steht bis zu diesem Gesims risalitartig vor. Von den Mauerpfeilern des Risalits kragen Konsolen aus, die eine Balkonplatte tragen. Die Fenster und Balkontüren in den Obergeschossen sind umrahmt und haben auf Konsolen ruhende horizontale Verdachungen. Flache Putzlisenen flankieren die Mittelachse über dem Balkon. Die Fensteröffnungen sind im unteren Teil vergittert, den Balkon fasst ein schmiedeeisernes Geländer ein. Über dem II. Obergeschoss liegt ein kräftiges Hauptgesims mit Zahnschnitt, darüber noch das niedere Dachgeschoss mit glatt umrahmten Fenstern. Das Dach ist ein Satteldach und mit Biberschwanzziegeln gedeckt.
Die Fassade nach der Sesslergasse (jetzt Sonnengasse) zeigt die gleiche Ausbildung.
Die Einfahrt führt bis zum Innenhof durch. Links davon, nach dem Hof zu, liegt die schöne breite Haupttreppe mit feinem Holzgeländer. Das erste Obergeschoss hat nach dem Hof auf drei Seiten, einen mit demselben Geländer umsäumten Umgang. Das Erdgeschoss enthielt die Gasthofräume. In den oberen Geschossen lagen die Fremdenzimmer. Die innere Ausstattung ist wenig wertvoll.
[Anmerkung: Goethe wohnte im August 1797, vor Vollendung des Hauses, im Mezzanineckzimmer, Sülmergasse-Sesslergasse.]"
(Aus: Gossenberger, Eberhard: Heilbronner Profanbauten aus dem 18ten Jahrhundert. Ein Beitrag zur Kunstgeschichte der Stadt Heilbronn. 1917. Stuttgart, Technische Hochschule, Diss. [Masch.], S. 42-43)
Das Gebäude wurde am 4. Dezember 1944 zerstört.