Herausgegeben von Gerhard Sauder
Frühjahr 1999, ca. 250 S., Broschur, ISBN 3-86110-184-X, 48.- DM. Universitätsverlag Röhrig, St. Ingbert
Freiherr Otto Heinrich von Gemmingen (1755-1836) gehört zu den eher unbekannten Schriftstellern der Aufklärung. Er hat allerdings in den späten 70er Jahren aktiv an der blühenden Mannheimer Theater- und Aufklärungskultur teilgenommen. Er war Mitglied der "Deutschen Gesellschaft" und mit dem Intendanten des Mannheimer Nationaltheaters, von Dalberg, dem Maler Müller und dem Buchhändler-Verleger Schwan befreundet. Mozart soll er in eine Mannheimer Loge eingeführt haben.
Mit dem bürgerlichen Schauspiel "Der deutsche Hausvater" (1780) erwarb sich Gemmingen den Ruhm eines 'vaterländischen' Dramatikers; das Schauspiel "Die Erbschaft" (1779) und seine Übersetzungen aus dem Englischen und Französischen (Shakespeare, Milton, Rousseau) belebten die Mannheimer Kulturszene. Eine "Mannheimer Dramaturgie" (1780) nach Lessings Vorbild begleitete den Spielplan mit maßvoller Kritik und theatertheoretischen Beiträgen. 1782 zog es ihn nach Wien, wo er als Freimaurer zur Avantgarde der verspäteten österreichischen Aufklärung um Kaiser Joseph zählte.
Unter den drei Zeitschriften, die er mit wenig Publikumserfolg veröffentlichte, war "Der Weltmann" (1782/83) das einzige Periodikum in der Geschichte moralischer Wochenschriften, das speziell für Adlige konzipiert war. Gemmingen schrieb seine Wochenschriften weitgehend selbst und war für kurze Zeit auch Herausgeber eines spezifisch wienerischen Journals für Predigtkritik. Mit politischen Schriften unterstützte er Josephs Reformpolitik. Ein Staatsamt erhielt er dafür nicht. Nach einigen Jahren als badischer Gesandter (1799-1805) in Wien lebte er verschuldet auf seinen Gütern.
Die Sammlung seiner Schriften ermöglicht erstmals einen Überblick über Gemmingens schriftstellerisches Lebenswerk als Dramatiker, Aufklärer und Politiker.
(Verlagsmitteilung)