I.
Jäh steigen die Hügel aus der weiten Niederung des mittleren Neckartales empor, eine Barriere gegen Westen und ziehen sich weit nach Osten, dicht bewaldete Höhenrücken, aus Ablagerungen längst vergangener Meere entstanden, Schicht über Schicht und durch tektonische Verschiebungen gestaltet. Sie bilden eine in sich geschlossene Landschaft, deren höchste Erhebungen bis zu fünfhundert Meter gegenüber dem Neckartal aufweisen und erst vor dem Jurarücken der Schwäbischen und Fränkischen Alb endet. Weil die folgende Geschichte sich teilweise in dieser Region abspielte, ist es wichtig, um des besseren Verständnisses wegen, ihren geologischen Aufbau zu erläutern, ihre erdgeschichtliche Entwicklung zu erfahren. Man spricht hierbei von einer sogenannten Stufenlandschaft, Schichtgesteine, die übereinander lagern, durch Abtragungen über eine lange geologische Zeit entstanden, Prozesse erdgeschichtlicher Vorgänge.
Die unterste, erste Schicht der Stufenlandschaft, entstand schon vor zweihundertfünfundachtzig Millionen Jahren und lagerte sich auf Grundgebirge, Granit und Gneis, über tausend Meter unter Normalnull ab, erdgeschichtlich noch dem Erdaltertum zugerechnet, dessen letzter Formationsabteilung, dem Perm. Man bezeichnet diese ersten Sedimente als Rotliegendes, mit einer Stärke von durchschnittlich vierhundert Metern, darüber noch eine dünne Schicht Zechstein und erst danach begann vor zweihundertfünfundzwanzig Millionen Jahren das Erdmittelalter, das Mesozoikum, mit der Trias, deren unterste Abteilung der fünfhundert Meter mächtige Buntsandstein darstellt. Danach folgen die Ablagerungen von unterem Muschelkalk und Anhydrit, einer wasserfreien Gipsschicht und damit ist die Normalnullhöhe erreicht. Der darauf folgende obere Muschelkalk, achtzig bis hundert Meter mächtig, eine von Flüssen zerschnittene Kalksteintafel, bildet die unterste Stufe über Null, sozusagen das Fundament der Landschaft, auf dem sich die Hügelketten aufbauen. Es folgen Lettenkeuper, als der dritten Abteilung der Trias, entstanden aus einem flachen Binnenmeer, Gipskeuper, hundertfünfzig Meter stark, mit fossilienführendem Steinmergel, Schilfsandstein, dünnschichtig und feinkörnig, mit graugrünen bis gelbroten Farbnuancen, der obere und untere bunte Mergel, zuletzt der Stubensandstein, der Knollenmergel und auf den Höhen der höchsten Erhebungen Sedimente des Lias, Kappen vom unteren schwarzen Jura, vor einhundertfünfundneunzig Millionen Jahren vom Jura-Meer abgelagert, sechzehnhundert Meter über der untersten, ersten Schicht.
Eine weitere Rolle in dieser Geschichte spielt das Wasser und dabei hauptsächlich Wasser, das sich in den Tiefen der Erdkruste, unter den wasserdurchlässigen Schichten gespeichert hat, das in unterirdischen Gesteinsschichten Ströme gebildet hat, das sich, durch Vulkanismus aufgeheizt, mit Gewalt an die Oberfläche drängt, oft Geysire ausstoßend. Mit dem häufigen Wechsel von Land und Meer während der Trias, Meeresüberflutungen in der Jurazeit und der starken Faltung von Gebirgen in der Kreideperiode, entstanden in großen Tiefen gewaltige Grundwasserseen, die durch Risse in der Erdoberfläche zusätzliche Wasserzufuhr erhielten. Heute gelangen etwa ein Fünftel der atmosphärischen Niederschläge in den Untergrund, die von Lehm, Hangschutt und von verwitterten und wasserdurchlässigen Gesteinsschichten aufgenommen werden. Das Wasser sickert oder strömt in den Gesteinsschichten so lange nach unten, bis es auf eine wasserundurchlässige Formation stößt und in den unteren Schichten dem Grundwassergefälle folgen kann. Meist tritt dann das Wasser als Quellen wieder an die Oberfläche, wobei der Geologe von Schicht- oder Schuttquellen, von Dauer- und Hungerquellen spricht, entsprechend dem Grundwasserspiegel, oder dem geologischen Verlauf der Wasserströme. Manchmal jedoch, werden auch neue unterirdische Seen und Flüsse gebildet, die im Laufe der Zeiten einem alten Grundwassersee zufließen.
In alter Zeit war nahezu die gesamte Landschaft, auch die Täler, von Urwald bedeckt und auf umrankten Trampelpfaden zogen Tierarten, die heute ausgestorben sind und zwischen den alten Baumriesen glitten Wesen vorüber, von deren Existenz heute niemand mehr weiß. In der moderneren Zeit sind die Tallagen bebaut, von Straßen durchzogen, in der Nähe der Städte und Dörfer auch die Hänge, doch entlang der Höhenrücken besteht noch immer durchgehender Wald und spätestens ab Mai, wenn Bäume und Sträucher in vollem Laub stehen, vermag der Betrachter über ein endlos scheinend grünes Meer zu blicken. Eichen, Buchen, auch Fichte und Forche und in den Schluchtwäldern Esche, Ahorn und Bergulme. Belebt werden die Wälder durch Rehe, Füchse und Schwarzwild sowie von kleineren Tieren, wie Marder, Wiesel, Dachs, von Eichhörnchen und Bilchen. Hoch in der Luft ziehen Roter Milan und Bussard ihre Kreise und vielfältig ist die Vogelwelt im Walde; Spechte, Meisen, Finken, Amseln und viele andere.
Wie überall in unserer übervölkerten Zivilisation, werden die markanten Punkte einer solchen Landschaft, zudem wenn sie sich in der Nähe von größeren Orten oder Städten befinden, von Menschen mit ihren Autos überflutet. Aber bereits die etwas entfernteren Wanderrouten, die quer durch das Gebiet führen, werden nur gelegentlich von größeren Gruppen frequentiert und sind gemeinhin Oasen der Ruhe. Abseitige Waldregionen jedoch, durch die nur schmale Pfade und Wildwechsel führen, wo die Bäume enger beieinander stehen, mit Wildbewuchs und teilweise dichtem Unterholz, sind menschenleer und vom Zauber unberührter Natur durchdrungen, noch vom Geiste der alten Wälder.